IHK Bonn/Rhein-Sieg

Zeitschrift DIE WIRTSCHAFT

Berufliche Bildungslotsinnen gehen an den Start

12.03.2019

Ausbildung

Teresa Schare und Nicole Senf (v.l.)„Junge Menschen sind nicht ausbildungsreif.“ So klagen Ausbildungsunternehmen immer wieder. Die IHK Bonn/Rhein-Sieg setzt daher seit dem 1. Januar 2019 auf die vertiefte Berufsorientierung: Zwei Berufliche Bildungslotsinnen informieren Jugendliche bereits während der Schulzeit über den Einstieg ins Berufsleben. Dazu führen sie Einzelgespräche. „Wir sprechen mit den Teenagern über Berufe, Dauer der Ausbildung, Prüfungen und Berufsschulunterricht“, sagt Teresa Schare, eine der beiden Bildungslotsinnen. Konkret geht es um die knapp 190 IHK-Berufe wie Kauf-leute für Büromanagement, technischer Produktdesigner, Koch und viele mehr.

In ihren 1:1-Gesprächen holen Schare und ihre Kollegin Nicole Senf Jugendliche auf den Boden der Tatsachen zurück, wenn sie z.B. unrealistische Gehaltsvorstellungen äußern. Auch das Thema Studi-um statt Ausbildung komme immer wieder vor. „Vor allem Eltern sehen eine Ausbildung häufig als Sack-gasse und wünschen sich ein Studium für ihre Kin-der“, sagt Schare. Sie beobachtet sogar, dass Schüler der gymnasialen Oberstufe ungern offen zugeben, sich für eine Ausbildung zu interessieren.

In den Einzelgesprächen informieren die Bildungslotsinnen daher auch über die Karrieremöglichkeiten durch die Höhere berufliche Bildung wie Geprüfte/r Technische/-r Betriebswirt/-in (IHK) oder Geprüfte/r Betriebswirt/-in (IHK). „Wir machen deutlich, dass man nicht zwangsläufig ein Studium braucht, um Karriere zu machen“, sagt Senf, die selbst nach einer kaufmännischen Ausbildung zunächst den Fachwirt und anschließend den Geprüften Betriebswirt (IHK) abschloss.

„Wenn jemand doch Bauingenieurwesen, Maschinenbau oder BWL studieren möchte, reden wir darüber. Dabei sprechen wir an, dass eine gewerblich-technische oder eine kaufmännische Ausbildung die beste Grundlage ist, um das Studium erfolgreich abzuschließen.“ Auch für das Bewerbungs-verfahren für Praktikums- oder Ausbildungsplätze geben die Bildungslotsinnen wichtige Tipps.
Die Gespräche finden in den allgemeinbildenden Schulen statt. Ansprechpartner sind dort die Lehrer, die als Studien- und Berufswahlkoordinatoren aktiv sind.

Kaum bekannter Beruf wird zum Renner

Zu den Aufgaben der Beruflichen Bildungslotsin-nen zählt auch, die Ausbildungsbotschafter bei ihren Einsätzen in Schulklassen zu begleiten. Diese jungen Auszubildenden gehen in allgemeinbildende Schulen, um Teenagern von ihren Berufen zu berichten. „Die Unternehmen haben ein großes Interesse daran, dass ihre Ausbildungsberufe bekannt werden. Deshalb stellen sie gern Ausbildungsbotschafter zur Verfügung“, sagt Schare.

Für die Unternehmen, die Ausbildungsbotschafter stellen, ist das Programm ein Gewinn. „Wir haben in diesem Ausbildungsjahr allein 18 Bewerbungen für eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker Glas-technik. So viele wie nie“, sagt Kevin Michels, stellvertretender Personalleiter der Weck Glaswerk GmbH in Bonn. Die Ausbildungsbotschafter des Glaswerks erläuterten bei mehreren Einsätzen in Schulen, was so ein Verfahrensmechaniker während der Produktion an der Maschine tut und welche Verantwortung er trägt. Sie bewarben ihren kaum bekannten Beruf und machten ihn zum Renner. Michels: „Wir bilden pro Jahr zwei Verfahrensmechaniker Glastechnik aus, um Fachkräfte zu gewinnen. Mit der Zahl der Bewerber sind wir sehr zufrieden.“

Auch andere eher unbekannte Berufe wer-den durch die Ausbildungsbotschafter beworben – sei es Lebensmitteltechniker/in oder Fachmann/frau für Systemgastronomie. Das Erfolgsrezept: Die Ausbildungsbotschafter sind nur wenige Jahre älter als die Schüler. Die Jugendlichen hören ihnen zu – besser als so manchem Erwachsenen.

Ursula Katthöfer, freie Journalistin, Bonn

Teenager sollen ihre Chancen realistisch einschätzen

Die Beruflichen Bildungslotsen gehören zum Projekt „Potenziale entdecken und entwickeln“ im Landesvorhaben „Kein Abschluss ohne Anschluss (KAoA)“. Die Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Bundesagentur für Arbeit fördert das Projekt. Ziel ist, Schülerinnen und Schüler bei der Berufsorientierung zu unterstützen. Jugendliche sollen realistische und authentische Einblicke in die Arbeitswelt erhalten und lernen, ihre Stärken und Schwächen realistisch einzuschätzen.
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